Rittersaal

Broicher Vampirgeschichten

Im November 2014 war der Rittersaal von Schloß Broich Zeuge einer Romanlesung zugunsten der Schloss-Sanierung.

Die Autorin Dagmar Schenda nebst Königin Luise.Die Autorin Dagmar Schenda ist fest in Mülheim an der Ruhr verwurzelt. Seit sie bei ihrer Großmutter in einem der einst populären Prinzessin-Luise-Bilderbücher blätterte, mit der man posthum die „fürstliche Erholsamkeit“ der Stadt hervorhob, war auch ihr Interesse für die Geschichte der Heimat geweckt. Eine besondere Verbindung zur Historie hielt sie 2008 in ihrem ersten Roman fest, jedoch nicht, ohne einen Hauch von Fantasie in ihr Stadtbild einfließen zu lassen. Aus Broich wurde „Bruchfurt“, aus „Styrum“ Stiemheim und das Saarner Kloster ist nun das beschauliche „Nonndorf“. Und die Vampire natürlich.

Der vermeintliche Verlust. Dagmar SchendaJa, Vampire gibt es, die unbemerkt in der versteckten Gruft von Schloß Broich hausen. Karl und Matthias sind die Protagonisten in ihrem spannenden Roman, der Gegenwart und Vergangenheit der Heimat in einer Hommage an Mülheim verbindet. In Rückblenden erfährt man, wie die beiden als neunjährige Kinder im Jahre 1747 gegen ihren Willen zu Untoten gemacht werden und über die Jahrhunderte schließlich – wenn auch sehr langsam – „heranwachsen“. In der Gegenwart, genauer im Jahr 2002, werden sie als gestandene Männer mit der Realität – nicht nur des Ruhrgebiets – konfrontiert. Schichtarbeit bei Nacht, Ruhen bei Tag in einer engen Gruft – Blutsauger an der Ruhr, von Prinzessin Luise bis Mannesmann. Schließlich werden die beiden ungleichen Vampire mit einer Mordserie konfrontiert, die einerseits Zwietracht zwischen ihnen selbst sät, gleichzeitig jedoch auch die vergangenen Ereignisse aufrührt.

Am 26. November 2014 las Dagmar Schenda zugunsten der Schloss-Rettung aus ihrem Roman Der vermeintliche Verlust.Der vermeintliche Verlust“, so Dagmar Schenda, erklärt sich aus den Zweifeln, die den Vampir Karl befallen, als er die Vampirin Belinda (gebürtig aus Großbritannien) kennenlernt. So erscheint ihm sein Schicksal plötzlich gar nicht mehr so trüb und blass. Ein bisschen Romantik also, ein bisschen „Whodunnit“-Krimi mit einem übernatürlichen Täter, dazu viel Lokalkolorit – kein Wunder, dass Verlage das Buch schwer einzuordnen wussten, glaubt Dagmar Schenda. So veröffentlichte sie, die ursprünglich einen kaufmännischen Beruf erlernt hat, das Buch via „Books on Demand“, also Druck auf Nachfrage. Die Profession der Autorin festigte sie mithilfe eines Studiums der Belletristik an der Fernuni. Gleichzeitig schwingt sie schon seit einigen Jahren auch den Malpinsel und steuerte unter anderem Illustrationen zur Titelbildgestaltung ihrer Werke bei.


Bei der Lesung im Rittersaal gab es auch Dagmar Schendas Roman zu kaufen.Am 26. November 2014 gab sie im Broicher Rittersaal einige Kapitel aus ihrem Roman zum Besten, um für die Sanierung des Schlosses Spendengelder zu sammeln. Dabei waren Inhalte unter anderem die vampirische „Geburt“ ihrer Protagonisten oder die Beziehung Karls zur Vampirin Belinda. Als verhüllte Gestalt – vermeintliche Vampirin –  trat auch die Autorin auf und entstieg dem fast vergessenen, historischen Treppenhaus, das den Schloss-Retter Broschüren lagen bei der Lesung natürlich ebenfalls aus.Raum mit der einstigen Schlosskapelle verbindet. Die Zuhörerschaft, die den Rittersaal füllte, war begeistert von der dunklen Romantik, die auf die kalte Jahreszeit einstimmte und genoss den Abend bei Met und „Spöökesmeekertrunk“. Eine Etage tiefer, in den Tecklenburger Kammern des Schlosses, wurde im Gegensatz zur Blutsauger-Fiktion die ganz reale Gruftkammer inspiziert. Hier nahm sich in einer Lesepause Heinz Hartling, ehrenamtlicher Experte vom Mülheimer Geschichtsverein, die Zeit, ein wenig die Hintergründe zu dieser erst in den 1960er Jahren ans Licht gekommenen Grablege, zu erläutern. Daraus ergab sich ein unterhaltsamer Abend, der die Gäste abschließend auch dazu motivierte, Andenken sowohl in Form des von Dagmar Schenda an Ort und Stelle zu erwerbenden Romans, als auch Schloss-Merchandise-Artikel in Form von „Schloss-Retter“-Tassen und Steinen aus der Schlossmauer zu kaufen. So kamen über 500 Euro zusammen. Denn die Sanierung des Schlosses ist in vollem Gange – und die ist schließlich wichtig, „weil Karl und Matthias, die beiden einzigen Vampire in unserer Stadt, dort leben“, so Dagmar Schenda.


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