Benefizkonzert mit Deniz Türkmen am 26. September 2015

Für Luise - Ein Interview mit Deniz Türkmen

Der nun 23-jährige Mülheimer Meisterpianist präsentierte am 26. September 2015 im Kammermusiksaal der Stadthalle sein Können auf dem Konzertflügel. Der gesamte Erlös des Konzerts floss in die Sanierung von Schloß Broich. Einige Wochen zuvor besuchte Deniz Türkmen zum Probespielen auf dem echten Steinway-Flügel schon einmal die Stadthalle und erzählte von sich und der Liebe zur Musik.

Bart Gorynski und Deniz Türkmen sorgen mit einem Benefiz-Konzert des Mülheimer Pianisten Deniz Türkmen im Kammermusiksaal der Stadthalle für den Erhalt des Schlosses Broich.Wie kamen Sie zur klassischen Musik?

Das war in der Schule, ich war 11 jahre alt – mein bester Freund hat Klavier gespielt und ich wollte das auch. Mein erster Lehrer war Kirchenmusiker Paul Brenninkmeyer, den ich dann auch ganze 10 Jahre hatte.

War Ihre Ausbildung damit beendet?

Irgendwann kam mein Lehrer zu mir und sagte: „Ich kann nichts mehr für dich tun.“ Ich hätte weiter zu Musikprofessoren gehen können, aber letztendlich hat da jeder seine eigenen musikalischen Vorlieben.

Ist das Musizieren ihre hauptberufliche Tätigkeit?

Es ist meine Leidenschaft. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, als Pianist groß rauszukommen. Das ist eine große Aufgabe, denn der Markt ist überfüllt mit Pianisten. Aber man muss halt klein anfangen, um groß rauszukommen. Ich bin aber auch froh, mit tt Glocal einen Sponsor gefunden zu haben, der mich unterstützt.

Sie wurden also „entdeckt“?

Ja, bei einem Chopin Konzert. Herr Gorynski kam danach zu mir und sprach mich an. Ich habe vorher vor allem Wohltätigkeitskonzerte gegeben, z.B. in der Kirche Heilig Geist. Ansonsten habe ich aber selbst viele Klavierschüler in der Mülheim und Umgebung.

Welche Musikstile schätzen Sie am meisten?

Also eigentlich bin ich offen für alles, aber meine große Liebe ist eben Chopin. Mit dem fing ja alles an. Da war ich 17 und habe den für mich persönlich entdeckt. Ich habe dann vier Jahre lang fast nur Chopin gespielt.

Also für Sie trotz Klavierunterricht ein „Geheimtipp“?

Mein Lehrer hat mir damals gesagt „Ehe du Chopin spielst, fliege ich zum Mond…“. Das war von den Anforderungen her ein Riesenschritt. Ich habe mir trotzdem die Noten gekauft. Ein paar Wochen später habe ich ihm Chopins Revolutionsetüde vorgespielt, eines seiner schwierigsten Stücke. Da war mein Lehrer erst einmal sprachlos.

Deniz Türkmen spielt am 26. September 2015 zugunsten der Sanierung von Schloß Broich.Wo liegt da die große Herausforderung?

Also Chopins Etüden sind ja seine Meisterwerke, da geht man an seine technischen Grenzen, muss sehr flexibel sein und Feingefühl zeigen. Die Revolutionsetüde ist z.B. für die linke Hand geschrieben. Chopin hatte krumme Finger und war bei solchen Stücken eher im Vorteil…

Spielen Sie auch moderne Stücke?

Naja, was ist schon „modern“? So gesehen sind die ersten beiden Programmpunkte, also Bach und Beethoven, jeweils von moderneren Komponisten (Egon Petri und Anton Rubinstein) bearbeitet worden.

War die Auswahl der zu spielenden Stücke Ihre eigene Idee?

Ja. Es dauerte tatsächlich länger, die Stücke zusammenzustellen, als sie zu erlernen. Das ist eine perfekte Aufstellung: Bach für den Barock, Beethoven für Wiener Klassik, Chopin für die Romantik, Debussy ist Impressionismus und mit Lekeu wollte ich auch einmal einen nicht so berühmten Komponisten vorstellen. Ich wollte zum einen eine chronologische Vorstellung geben, aber auch meine Vielseitigkeit und mein Können bei so verschiedenen Spielmodi zeigen.

Im Programm haben Sie ja auch ihre eigenen Kompositionen.

Genau, mein Opus I besteht aus 3 verschiedenen Gemütszuständen – da gibt es ein verliebtes Stück, ein eher trauriges und einen Walzer. Mein zweites „Album“ heißt „Meine Heimatländer“, also die Türkei, Deutschland aber auch Polen als Heimat Chopins.

Wie klingen denn Ihre Heimatländer?

Bei der Türkei bin ich besonders an meine technischen Grenzen gekommen, ich musste mir ja erst einmal die für mich fremde orientalische Tonleiter aneignen. Eine sehr logische Herangehensweise. Auch an die Chopin-Mazurka ging ich sehr berechnend, fast mathematisch ran, um ähnlich wie Chopin zu komponieren. Der Teil entstand vor Ort bei einer Reise zu Chopins Geburtshaus in Polen, dort spielte aus den Lautsprechern im Park die ganze Zeit Chopin, also war es nicht so schwer, sich da hineinzuversetzen. Die Ballade zu Deutschland hingegen ist das emotionalste Stück, da habe ich mich einfach ans Klavier gesetzt und losgespielt.

Die Mülheimer Altstadt: Eine der Keimzellen der Stadt Mülheim und der Lieblingsort des Pianisten Deniz Türkmen.Wie kam es zur Idee, ein Konzert für das Schloß Broich zu geben?

Das war die Idee von meinem Sponsor Bart Gorynski, der auf die Schloss-Retter-Suche aufmerksam wurde. Und ich bin ja quasi bekannt für Benefizkonzerte. Bei meinem ersten Konzert war ich 17, habe Grieg und Mozart bei einer Weihnachtsfeier im Seniorenheim gespielt und dafür eine Tafel Schokolade „gewonnen“.

Haben Sie ihre Konzerte auch schon über Deutschland hinaus geführt?

Bisher leider noch nicht. Aber geplant sind Auftritte in Belgien, den Niederlanden, Tschechien und Polen. Auch ein erster Auftritt mit einem Orchester, Mozart, ist geplant. Und ich komponiere meine „Grand Sonata“, das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber mit Sicherheit mal mein „Meisterwerk“ werden. Nächstes Jahr werde ich mich dann auch wieder etwas mehr von Chopin distanzieren. Dann stehen mehr Beethoven, Bach und z.B. die Sonate von Grieg auf dem Programm.

Was hören Sie sonst für Musik? Sind sie auch offen für „Pop“?

Also ich mag die Beatles, höre aber auch John Cage und Jazzmusik von z.B. Bill Evans.

Was ist ihr Lieblingsort in Mülheim?

Die Altstadt! Da kommt mir immer so das richtige Gefühl zum Komponieren auf - Ich fühle mich da immer sehr „geborgen“.

 

Mit dem Benefiz-Konzert am Samstag, 26. September, um 18.30 Uhr im Kammermusiksaal der Stadthalle Mülheim an der Ruhr unterstützten think tank GLocal und Deniz Türkmen die Schloss-Retter-Kampagne: Alle Einnahmen kamen der Sanierung des Schlosses Broich zugute! Mehr Infos zu Deniz Türkmen gibt es auf www.deniztuerkmen.com.

 


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