Die historische Stadthalle Mülheim wird auch als Teil eines Ruhr-Venedigs bezeichnet, dank ihrer stilvollen Architektur.

Für Luise Teil 2: Romantik im Ruhr-Venedig

Am 11. September 2016 gab der Mülheimer Pianist Deniz Türkmen zum zweiten Mal ein Benefiz-Klavierkonzert zugunsten der Sanierung des Schlosses in der historischen Stadthalle. "Romantik im Ruhr-Venedig" erklang "für Luise", die einst auf Schloß Broich zu Gast war.

Man nennt ihn auch den �jungen Chopin� � Deniz Türkmen schaffte es zum Erstaunen seines einstigen Musiklehrers, des Mülheimer Kirchenmusikers Paul Brenninkmeyer, den polnischen Meisterkomponisten der Romantik in jungen Jahren zu meistern.Man nennt ihn auch den „jungen Chopin“ – Deniz Türkmen schaffte es zum Erstaunen seines einstigen Musiklehrers, des Mülheimer Kirchenmusikers Paul Brenninkmeyer, den polnischen Meisterkomponisten der Romantik in jungen Jahren zu meistern. Der nun 24-jährige Pianist hat bereits ein begeistert aufgenommenes Benefizkonzert zugunsten der Sanierung des Schlosses Broich im vergangenen September gespielt, bei dem 3.075 Euro eingenommen wurden – und in voller Höhe der Sanierung des Schlosses zugutekamen! Am Sonntag, 11. September 2016, wurde das Benefizkonzert „Für Luise“ (die spätere Königin von Preußen weilte einst zu Gast auf Schloß Broich) fortgesetzt: „Romantik im Ruhr-Venedig“ bestimmte den Abend.

Deniz Türkmen erklärt in einem Interview mit Daniel Brüning von der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST), die für den Erhalt des Schlosses verantwortlich ist, was es mit dem zusammengestellten Programm auf sich hat:

Wie war das Feedback auf das erste Schloss-Retter-Konzert am 26. September 2015?
„Sehr gut! Es kam nach dem Konzert ein Gemeindemitglied der Filialkirche Heilig Geist auf mich zu und sagte: ‚Endlich hat unsere Stadt Mülheim einen Musiker‘ und ‚Deine Werke sind schöner als die von Chopin und Brahms‘ – Das hat mich schon sehr gefreut!“

Wie haben Sie die Zeit seit dem letzten Schloss-Retter-Konzert verbracht?
„Das Schloss-Retter-Konzert war gleichzeitig mein Debüt in der Stadthalle, das mir die Tür nach Europa geöffnet hat, darüber hinaus wurde ich in Polen auch zu neuen Werken inspiriert. Denn da sind meine beiden Mazurken, (slawischer Gesellschaftstanz im ¾ Takt) entstanden, in Warschau und direkt am Geburtsort von Chopin, Żelazowa Wola. Das sind zwei wichtige Werke in meinem Leben. Meine 2015er Mazurka habe ich auch auf dem letzten Schloss-Retter-Konzert gespielt. Vor allem habe ich aber die letzten Monate genutzt, um meine eigene „Grand Sonata“ fertig zu schreiben, die am 19. August im Steinway-Haus in München ihre Premiere hatte und dann auch beim Schloss-Retter-Konzert Teil des Programms sein wird. Daran habe ich jahrelang gearbeitet. Die erste Fassung wurde komplett verworfen, aber die finale zweite habe ich dann in einem Rutsch durch geschrieben. Da wusste ich dann genau, wohin ich will.“

Wie ist die Grand Sonata aufgebaut?
„Sie besteht aus 4 Sätzen. Der erste Satz „Introduzione“ ist die Einleitung zum Thema, gefolgt von „Türk Fantezi“ (Turkish Fantasy). Der Part musste einfach da hinein, er passte so perfekt. Ursprünglich ist er als technische Studie der orientalischen Tonleiter entstanden. Der dritte Satz „Für Luise“ ist meiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr gewidmet. Es ist ein rein romantisches Stück, einfach nur träumerisch. „Für Luise“ entstand als Improvisation bei meinem Konzert im letzten September. Das war damals wie ein Geistesblitz. Ich habe danach schnell versucht, Note für Note noch einmal aufzuschreiben. Der vierte und letzte Satz „Ambivalenza“ wiederum bezieht sich auf den von Eugen Bleuler geprägten Begriff aus der Psychologie und ist der technisch schwierigste Satz, ein ziemlicher ‚Fingerbrecher‘. Aber die vier Sätze der Grand Sonata sind alle meine Kinder, mit verschiedenen Charakteren, verschiedenen Welten in verschiedenen Tonarten, von C-Moll im ersten Satz, zu E-Moll im letzten.“

„Romantik im Ruhr-Venedig“ lautet der Titel des Konzertes am 11. September. Sind die gespielten Komponisten allesamt „Romantiker“?
„Ich hab mich da nicht ganz so streng dran gehalten, weil die Zuschauer auch etwas geboten bekommen sollen. So ist das erste Stück von Beethoven, WoO 52, ein unveröffentlichtes. Es ist etwas dynamischer, in C-Moll geschrieben. Ich finde, es werden zu selten die nach seinem Tode erst erschienenen Werke gespielt, die ebenso genial sind. Mit Schubert kommt dann ein Klassiker der Romantik dazu und natürlich Chopin und Brahms.“

Also nicht nur Mainstream-Romantik, sondern auch ein bisschen aufklärerische Arbeit, die Sie mit Ihrer Musikauswahl leisten möchten?
„Genau. Allerdings passt die Location mit der historischen Stadthalle schon perfekt zum Titel. Das erste Konzert war von den Musikepochen her doch noch etwas ‚gemischter‘ gehalten. Außerdem habe ich damals auch überarbeitete Stücke, also Interpretationen durch andere, spätere Komponisten (Beethoven durch Rubinstein) mit aufgenommen. Hier sind alles ‚Originale‘, keine Bearbeitungen.  

Was sind Ihre nächsten musikalischen Ziele?
„Auf Ambivalenza, den vierten Satz meiner Grand Sonata, ist man in Wien aufmerksam geworden: Da soll nun ein Videoprojekt entstehen, in dem ich diesen Satz vor Ort vorstelle. Ein Videoclip quasi, den man dann auf DVD und über meine Webseite beziehen kann. Es ist auch geplant, wenn alles klappt, dass ich bald vor dem New Yorker Bürgermeister spiele, im Rahmen der Auszeichnung zur Top 7 der ‚Smart Cities‘, zu denen Mülheim offiziell als einzige europäische Stadt gehört! Außerdem sind Konzerte in Indien geplant – nach Europa-Touren geht es nun für mich in die Welt hinaus.“

Von Ihnen gegründet ist auch das Projekt „Golden Bulwark“. Worum geht es da?
„Golden Bulwark („Goldenes Bollwerk“) wird mein eigenes Orchester. Ich will mein großes Werk Athanasia mit einem richtigen Orchester aufführen, in Rom. Da bin ich ein bisschen pingelig und möchte wirklich die perfekten Musiker aus aller Welt zusammenbringen, die das, was ich will, auch rüberbringen können. Dafür stelle ich dieses Orchester zusammen.“   

Rom ist also die nächste feste Station nach dem „Abschiedskonzert“ in der Stadthalle?
„Ja, dorthin ziehe ich und werde dort musizieren und Konzerte geben. Die Stadt Mülheim war immer mein bester Begleiter, aber ich muss mich jetzt erst einmal verabschieden, da Rom meine neue Heimat wird – voraussichtlich bis 2019. Ich habe dort eine schöne Wohnung im Grünen, ein wenig außerhalb der Stadt, die sich perfekt zum Komponieren eignet. Rom ist für mich die Hauptstadt der Kultur, der Musik und an jeder Ecke gibt es ein kleines Theater.“

Noch geben Sie aber Klavierunterricht und haben viele Schüler in Mülheim und Umgebung…
„Ich möchte junge Leute, auch aus sozial schwachen Bereichen, für die Musik begeistern. Ich versuche, eine Kettenreaktion zu erreichen, damit die Menschen auch einmal über Beethoven hinaus das breite Angebot klassischer Musik kennenlernen, ob Chopin, Brahms, Haydn oder Rachmaninoff.“


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